Markus Hirnsperger
1. Begriffsdefinition und Abgrenzung des Begriffes "Schamanismus"
in Jakutien
2. Anwendung der Definition auf die Religion der Jakuten
3. Betrachtung ausgewählter Mythen und deren Einfluß
auf die Ausformung des Schamanismus
3.1.1. Mythos zur Entstehung des Landes
3.1.2. Schamanistische Ausformung des Mythos
3.2.1. Mythos zur Entstehung der Menschheit
3.2.2. Schamanistische Ausformung des Mythos
4. Zusammenfassung
5. Bibliographie
Das
Wort „Schamanismus" leitet sich vom evenkischen Wort „saman (schaman, chaman)"
ab, was eine Bezeichnung für einen „Kultdiener" bzw. religiösen
Spezialisten ist, dessen Hauptaufgabe die Opferung von Tieren ist. (Taksami
1997: 6) (Vitebsky 1996: 10) Nach Juha Pentikäinen kann man von Schamanismus
sprechen, wenn einige phenomenologische Kriterien erfüllt sind.
Diese
sind:
„1. Ecstatic techniques used to find the way into other worlds or dimensions
of reality.
2. The hypotheses of more than one soul: in the state of trance the free soul
leaves the body to make trips to other worlds assuming various, e.g., animal,
shapes.
3. The belief in a 3-level universe, with the shaman mediating between these
levels.
4. The belief in the helping spirits of the shaman.
5. The difference in ritual paraphernalia of shamanism in various cultures:
drum, dress, bag, mask, etc." (Pentikäinen 1996: 10)
Archäologische Ausgrabungen in der Gegend des Baikalsees und des Amurs zeigten, daß Schamanismus bereits 2 – 3 tausend Jahre vor unsere Zeitrechnung existierte. (Taksami 1997: 7) Der Schamanismus existiert auch heute noch. So gibt es zum Beispiel in der Republik Sacha (Jakutien) eine Vereinigung der jakutischen Schamanen. Diese Vereinigung arbeitet auch als Kontrollorgan, um zu vermeiden, daß, wie in einigen Regionen in Sibiriens üblich, gegen Bezahlung Heilungszeremonien abgehalten werden. (Taksami 1997:8)
Zunächst
soll überprüft werden ob man bei den nördlichen, rentierzüchtenden
Jakuten von Schamanismus nach der Definition von Pentikäinen sprechen
kann. In weitere Folge möchte ich auf das Weltbild und die Religion
der nördlichen, rentierzüchtenden Jakuten eingehen.
Der
erste Punkt der Definition von Pentikäinen (der Reise in andere Welten
oder Gegenden) scheint durch die Aussage mehrerer jakutischer Schamanen
belegt zu sein. Der Schamane Matvej Grigor'ev berrichtet, daß während
der Weihe zum Schamanen, der betreffenden Person alle Wege und Pfade der
Welt offenbart werden und ihm erzählt wird wer, wo wohnt. (Gurvich
1977: 215) Die Reise in andere Weltgegenden ist also bereits bei der "Ernennung"
eines Schamanen bei den nördlichen, rentierzüchtenden Jakuten
ein wichtiger Bestandteil.
Ebenso
läßt sich die Einteilung des Universums in drei Ebenen bei den
nördlichen, rentierzüchtenden Jakuten feststellen: „Vselennaja
[...] sostojala iz trex mirov: verxnego - nebesnogo, srednego - zemnego
i nishnego - podzemnego" (Gurvich 1977: 194) Nach Gurvich existiert
aber auch die Vorstellung, das es nur ein Universum gibt. Die untere Welt
wird oft als Land gesehen, das irgendwo im Norden liegt. Weiters existieren
verschiedene Vorstellungen von anderen Welten, die von „Halbmenschen" oder
„Halbseelen" bewohnt sind. (Gurvich 1977: 194)
Punkt
vier ist allein schon dadurch bestätigt, daß der Schamane bei
den Jakuten nur die Krankheiten heilen kann, deren Geister während
seiner Initiation mit ihm in Berührung gestanden haben. (Vitebsky
1996: 57)
Die
Gegenstände für die verschiedenen Rituale (Trommel, Glocken,
Kostüm) sind in zahlreichen verschiedenen Ausformungen zu finden.
(vgl. Gurvich 1977: 216ff)
Es
ist also durchaus rechtmäßig zu behaupten, daß bei den
nördlichen, rentierzüchtenden Jakuten eine bestimmte Ausformung
von Schamanismus anzutreffen ist.
In weiterer Folge möchte ich auf den mythologischen Unterbau der Religion der nördlichen, rentierzüchtenden Jakuten eingehen. Zunächst möchte ich auf die Mythen eingehen die, die Entstehung der jakutischen Lebenswelt beschreiben.
Irgendwann, vor langer Zeit, herrschte auf der Welt Chaos. Die Grundelemente, Himmel und Wasser, waren zu dieser Zeit noch vereint. Das Land existierte zu dieser Zeit noch nicht. Deshalb tauchte, der über das Wasser fliegende Seetaucher, in das Wasser ein und zog mit seinem Schnabel etwas Erde heraus. Aus diesen Stücken erschuf er (Seetaucher) das Land. Weiters wird in der Erzählung Ajyy-tojon (weißer Herr, höchste Gottheit der Jakuten) erwähnt, der vom Seetaucher, nachdem dieser mehrere Male vergeblich versucht hatte Sand und Schlamm aus dem Wasser zu ziehen, geschickt wird, Erde aus dem Wasser zu holen. In einigen Varianten der Erzählung wird auch ein Gegenspieler von Ajyy-tojon erwähnt. Dieser wird als Allaraa-ogonn'or (der Alte aus der Unterwelt) bezeichnet. Für gewöhnlich entwickelt sich in diesen Varianten ein Streit zwischen Ajyy-tojon und Allaraa-ogonn'or über die Teilnahme an der Erschaffung des Landes, und erst nachdem alle guten Kräfte ausgeschöpft waren, zwang Ajyy-tojon seinen älteren Bruder, der zwar böse war, aber immerhin weniger mächtig als Allaraa-ogonn'or, eine Handvoll Erde aus dem Wasser zu ziehen. Durch diese Nachricht sah sich Allaraa-ogonn'or gezwungen wie der Seetaucher ins Wasser einzutauchen, und gab etwas Erde Ajyy-tojon in den Schnabel. (Gurvich 1977: 191f)
In
anderen Region von Sacha wird eine leicht veränderte Variante des
Mythos erzählt. Sie lautet wie folgt:
Allaraa-ogonn'or
tauchte in das Wasser, um Erde zu holen. Er errichte aber nur einige kleine
Stücke, die er unter den Fingernägeln hängen blieben. Während
er auftauchte stürzte er und verlor das Bewußtsein. Diese Gelegenheit
ergriff Ajyy-tojon am Schopf und stahl die Erde unter seinen Nägeln.
Als Allaraa-ogonn'or wieder erwacht war, tauchte er von neuem ins Wasser
um wieder Erde zu holen. In dieser Zeit erschuf Ajyy-tojon das Land. Als
Allaraa-ogonn'or von neuem, mit Erde in den Händen aus dem Wasser
auftauchte, sah er, daß ihm Ajyy-tojon mit der Erschaffung des Landes
zuvorgekommen war. Drüber war er so verärgert, daß er in
seiner Wut die Hand voll Erde auf des bereits existierende Land warf. Aus
diesem Grund sind die Gebirge entstanden. (Gurvich 1977: 191ff)
Eine
ähnliche altrussische Legende, jedoch mit anderen Akteuren, ist ebenfalls
überliefert. (vgl. Gurvich 1977: 193)
Wichtig
scheint mir herauszuarbeiten, daß die ersten Elemente in den Entstehungmythen
vergleichbar mit denen in der Bibel sind. Zuerst gab es das Wasser und
die Dunkelheit, dann erst erschuf Gott das Land. (vgl. Bibel, Genesis)
Die schamanistische
Ausformung dieses Mythos finden wir im Kostüm des Schamanen, welcher
an seinem Kostüm zwei oder vier abstrahierte Seetaucher aus Metall
angebracht hat. Diese sind notwendig um in die untere Welt auf Art und
Weise des Seetauchers (Gagara) abzutauchen.
Ebenso
ist klar ersichtlich, daß am Anfang der Erschaffung der Erde mehrere
dualistische Prinzipen antithetisch angeordnet sind. Diese wären zunächst
Himmel und Wasser und weiters die guten und bösen Kräfte, die
an der Erschaffung des Landes beteiligt waren. Dieses dualistische Prinzip
kann jedoch nicht aufrechterhalten werden, da ein Vielzahl von mythischen
Ordnungsmustern darüber hinaus zu finden sind. So ist die schon oben
erwähnte obere Welt teilweise in neun bzw. in zwölf Stufen unterteilt,
meist ist die Vorstellung der oberen Welt aber unklar. Es wird meist nur
erwähnt, daß dort die Kälte vorherrscht. Es wird berichtet,
daß Schamanen in die obere Welt „aufgestiegen" sind um eine Seele
eines Kindes für einen kinderlosen Vater zu holen, dort nur Eiszapfen
vorgefunden haben und allses vom Geist Ajyy erfüllt war.
In
der mittleren Welt wohnt der Geist der Erde Aaan, der das Ichchitä
ausstrahlt. Eine Kraft die Krankheiten hervorruft und verstärkt. Einige
der Götter wirken sowohl in der oberen als auch in der mittleren Welt.
Diese sind Chara Suor, Ächäkään. Ukun, der Herr des
Wassers, der dem Schamanen als Vermittler zwischen der mittleren und der
unteren Welt dient. (Gurvich 1977:194)
Die
untere Welt wird von Allaraa-ogonn'or beherrscht. Im Norden wird er als
Arsan-Duolaja bezeichnet. Die untere Welt ist ebenso die Heimat verschiedener
Fabelwesen, wie die des dreiköpfigen Adlers.
In
einigen Gebieten der nördlichen Jakuten sind auch die Geister der
südlichen, viehzüchtenden Jakuten bekannt. Diese sind Jurjung,
Ajyy-tojon, Dszjosjogjoj und andere. Die nördlichen Jakuten bringen
ihnen (Götter) keine Opfer oder Ehrerweisungen dar. Sie werden
lediglich als Schutzgeister der Kreißenden bzw. als Geister des Feuers
gesehen, und zu diesen Zwecken auch gehuldigt.
Vor
der Jagd oder anderen weiten Reisen ist es notwendig den Geist des Feuers
zu bewirten und nähren. Dies geschieht dadurch, daß ein Stück
Fleisch, Fisch oder Fett ins Feuer geworfen wird und dazu Vodka oder Blut
verspritzt wird. Es wird angenommen, daß das Feuer menschliche Sprache
versteht und deshalb durch reden beeinflußt werden kann. Wenn, während
einer Aussage eines Anwesenden, ein Holzscheit kracht, so wird dies als
Äußerung des Feuers betrachtet und als Warnung interpretiert,
daß das Vorhaben mißlingen werde. In diesem Fall, wird das
Vorhaben (Jagd, Ausfahrt,...) um eine bestimmte Zeitspanne verschoben.
(Gurvich 1977:195)
Das
Feuer ist der Beschützer vor Entweihung. Es ist verboten Wasser in
das Feuer zu gießen, in das Feuer zu spucken oder mit einem scharfen,
eisernen Gegenstand die Kohle im Feuer zu wenden. Der Geist des Feuers
wird teilweise für eine gute Erscheinung gehalten, hat aber auch böse
Attribute. So wird er als Vermittler gesehen, der Opfer anderen geistern
überbringt. (Gurvich 1977:195)
Die Vorstellung über die Entstehung des Menschen hat einige biblische
Züge, die sich mit den örtlichen Vorstellungen vermischt haben.
Ajyy-tojon beschloß die Menschen zu erschaffen. Am Anfang erschuf er zwei
Individuen, die ein dichtes Fell hatten, aber, er erschuf in Bezug auf ihr Geschlecht
nicht fertig, und entfernte sich. Seine Schöpfung brachte Ajyy-tojon in
einem Speicher unter, sperrte ihn ab und ließ ihn von einem Wächter
bewachen, der allerdings nackt war. Eines Tages kam Allaraa-ogonn'or und wollte
das Innere des Speichers sehen, aber der Wächter verteidigte die Tür
vor Eindringlingen und widerstand den Drohungen von Allaraa-ogonn'or. Daraufhin
erschuf Allaraa-ogonn'or die Kälte. Der nackte Wärter fror und er
versteckte sich im Speicher, aber auch dort konnte er sich nicht aufwärmen.
Schlußendlich ließ der Wächter Allaraa-ogonn'or in den Speicher,
allerdings unter der Bedingung, daß ihm (dem Wächter) ein warmes
Fell wachse. Allaraa-ogonn'or stimmte zu und wurde in den Speicher eingelassen.
Die hungrigen Insassen des Speichers baten ihn um Nahrung. Er gab einem Individuum
Beeren, dem anderen „Halb-Beeren". Von den Beeren verloren sie ihr Haarkleid
und sie verwandelten sich zu Mann und Frau. Als Ajyy-tojon zurück kam wurde
er zornig und verwandelte den Wächter in einen Hund. Aus diesem Grund ist
der Hund gezwungen dem Menschen zu dienen und sich von Speiseresten und Exkrementen
zu ernähren. Ajyy-tojon überließ die Menschen sich selbst.
In einer anderen, einfacheren Variante des Mythos erschufen Ajyy-tojon und Allaraa-ogonn'or
die Menschen gemeinsam. Sie vermehrten sich durch „Geruch" und die Frauen wurden
aus einer Rippe hervorgebracht. Aber Allaraa-ogonn'or fand dies unpraktisch
und erschuf die Geschlechtsorgane und eine Pflanze die, die Vermehrung der Menschheit
fördert. Manche Erzähler bezeichnen die ersten Menschen als Adam bzw.
Eva, was klar zeigt, daß Elemente aus dem christlichen Glauben eingeflossen
sind. (Gurvich 1977:196) Die Erschaffung der Flora und Fauna wird
wie folgt beschrieben. Ajyy-tojon schuf alle nützlichen Bäume: wie
zum Beispiel die Kiefer oder die Birke. Allaraa-ogonn'or machte es ihm nach
und erschuf anstatt der Kiefer die Tanne und anstatt der Birke die Lärche.
Ajyy-tojon erschuf daraufhin die Nutzpflanzen: Tee, Gerste und verschiedene
Heilkräuter. Allaraa-ogonn'or machte es ihm wiederum nach und erschuf die
Giftkräuter. Ajyy-tojon erschuf daraufhin alle Speisefische, Allaraa-ogonn'or
alle Fische mir „Gräten", wie den Barsch, den Hecht usw. Ajyy-tojon erschuf
die eßbaren Vögel, wie den Auerhahn. Allaraa-ogonn'or wird
in Verbindung mit dem Seetaucher, Eistaucher (Gagara) bzw. mit dem Specht gesehen,
Ajyy-tojon hingegen wird mit den nützlichen Tieren in Verbindung gebracht.
Dieser Dualismus setzt sich fort und Allaraa-ogonn'or wird mit zahlreichen negativen
Elementen beschreiben, mit Ajyy-tojon hingegen werden positive Elemente assoziert.
(Gurvich 1977:197)
In einer anderen Variante des Mythos wird Chara Suor die Erschaffung der Lebewesen
zugeschrieben. Chara Suor (schwarze Rabe) wird als Personifikation des Geistes
der Jagd Bajanaja-Ächäkääna betrachtet. Er erschuf das Rentier,
den Elch, den Fuchs, den Polarfuchs, den Hund, den Luchs und andere Tiere. Eine
besondere Verbindung besteht zum Raben. Es wird berichtet, daß jeder reiche
Jäger 3 bis 4 Raben als Weggefährten begleitet wird. Nach dem Flug
der Raben kann der Jäger feststellen wo die wilden Rentieren grasen. Im
Falle einer schweren Verletzung des Jägers tötet er einen Raben und
trinkt dessen Galle, welche in von seinem Leiden befreit. Weiters wird berichtet,
daß bei der Erschaffung des Landes (s. o.) der Rabe Chara Suor gemeinsam
mit den anderen Schöpfern bereits existierte. Man kann also mit gutem Gewissen
behaupten, daß der Rabe neben dem Seetaucher, Eistaucher (Gagara) einer
der wichtigsten „Helden" ist, der an der Erschaffung. Es könnte sein, daß
diese tierischen Lebewesen anthropomorphe Gestalt annahmen und somit zu Ajyy-tojon
bzw. Allaraa-ogonn'or wurden. Die Trennung in eine gute bzw. eine böse
Seite bleibt auch nach dieser „Personifizierung" aufrecht erhalten. (Gurvich
1977:197)
Einige dieser Mythen, über die Entstehung des Landes oder der Lebewesen,
könnten aus einer totemistischen Weltvorstellung hervorgegangen sein. Die
Tiere gehören allesamt der mittleren Ebene des Universums (s. o.) an. Die
höchste Stellung unter den Tieren genießt das Pferd, darunter befinden
sich Rentier, Elch und andere. Unter den Vögeln genießen der Adler,
der Habicht, der Schwan und die Eule. Der Mensch selbst ist ebenfalls in diese
Hierarchie eingeordnet, was daher kommt, daß jede der Gruppen früher
seinen Vogel hatte, den sie als höchsten Gott verehrten. Gurvich bringt
eine Aufzählung der verschiedenen Gruppen mit ihren Totemvögeln im
Olenek Gebiet. (vgl. Gurvich 1977:198)
Weiters ist zu erwähnen, daß nach verschiedenen Erzählern die
Totemtiere variieren. Das läßt sich damit erklären, daß
bei verschiedenen Gruppen ein Tier wichtiger war als andere. Die Frauen aus
einer anderen Gruppe durften den Namen des Totemtieres nicht tragen, und bedeckten
ihren Kopf mit den Händen, wenn das Totemtier über sie hinwegflog
und sie keine Kopfbedeckung trugen. Die Beziehung zu einem bestimmten Totemtier
führt aber, nach den Informanten von Gurvich, zu keinen besonderen Riten
oder Handlungen. Lediglich die Älteren Informanten von Gurvich konnten
sich erinnern, daß früher das jeweilige Totemtier beschützt
wurde und es die Mitglieder der Gruppe nicht töteten. Wurde das Tier bereits
tot aufgefunden, wurde es begraben. Die älteren Informanten vermerkten
ebenfalls, daß wenn dem Totemtier Schaden zugeführt wird dies zu
Krankheit oder Unglück führt.
Einige
dieser totemistischen Elemente sind in die jetzigen schamanistischen Glaubensvorstellung
eingeflossen. Zum Beispiel geht die schamanistische Verständnis über
die Grenzen der persönlichen Macht auf totemistische Vorstellungen
zurück. Schamanen im Olenek Gebiet behaupten, daß in der oberen
Welt weitaus mächtigere Schamanen wohnen die mit den Pferden in Verbindung
stehen. Schamanen deren Vorfahren sich von den Rentieren ableiten haben
eine vergleichbar niedrigere Position und sind weniger mächtig. Um
in die obere Welt zu reisen, braucht der Schamane eine spezielle Attribute,
diese sind zumeist die Tatze eines Rentiers, eines Elches, eines Wolfes
oder eines Hundes, je nach dem von welchem Tier sich die Vorfahren des
Schamanen ableiten. (Gurvich 1977:198)
Weiters
ist in der Tierwelt eine Genealogie regelrechte auszumachen. So ist zum
Beispiel der Wolf eine Nachkomme der Schlange. (Gurvich 1977:198)
Hier
kommt die Verbindung zwischen Mythologie und Schamanismus klar heraus.
Selbst wenn totemistische Vorstellungen gegenwärtig nicht mehr zu
finden sind, so flossen sie in die gegenwärtige Religion ein.
Die wichtigsten Punkte dieser Arbeit sehe ich darin, aufgezeigt zu haben, daß in die Mythologie und Religion der Jakuten teilweise altrussische Mythen eingeflossen sind. Ebenso ist die Verbindung zwischen Mythologie, früheren Totemismus und Schamanismus klar ersichtlich. Weiters sind die verschiedenen Ausformungen der Mythen im Schamanismus interessant.
D'JAKONOVA,
V. P. (Sostavitel')
1997
Schaman i vselennaja v kul'ture narodov mira, MAE RAN, Sankt Peterburg
TAKSAMI,
Ch. M.
1997
Schaman i vselennaja, v: Schaman i vselennaja v kul'ture narodov mira,
MAE RAN, Sankt Peterburg
GURVICH,
I. S.
1977
Kul'tura severnykh jakutov-olenovodov, k voprosu o pozndikh etapakh formirovanija
jakutskogo naroda, Izdatel'stvo "Nauka" , Moskva
VITEBSKY,
P.
1996
Schamanismus, Reisen der Seele, Trance, Ekstase und Heilung, Wien
PENTIKÄINEN,
J. (ed.)
1996
Shamanism and Northern Ecology, Mouton de Gruyten, Berlin, New York
IRIMOTO,
T. and YAMADA, T. (ed.)
1994
Circumpolar Religion and Ecology, An Anthropology of the North, Univ. of
Tokyo Press
© Hirnsperger Markus 1999